Nach dem Lockdown – alles beim Alten?

In den Musikschulen hat der Präsenzunterricht wieder begonnen und es ist fast so wie früher. Schülerinnen und Schüler sitzen mit ihren Lehrkräften im Musikraum und der Unterricht läuft ohne Masken. Ob und wie lange das mit dem Präsenzunterricht wohl funktioniert? Der Distanz-Unterricht hatte die Zeit des Lockdowns, in der keine Musikschule unterrichten durfte, notdürftig überbrückt. Fast alle Lehrkräfte haben die Erfahrung gemacht: Irgendwie ging es und war viel besser als wenn alles ausgefallen wäre, aber nichts geht über das unmittelbare Miteinander im Unterricht.
Sollten die Musikschulen aber in der „zweiten Welle“ erneut geschlossen werden, was dann?

Die Erfahrungen aus dem Frühjahr sind ermutigend. So schlimm, wie man es sich vorgestellt hatte, war das Unterrichten per Video dann doch nicht. Immerhin konnte der enge Kontakt mit den Lernenden gehalten werden. Allerdings waren die Geräte und die Plattformen keinesfalls auf den Distanzunterricht der Musikschulen vorbereitet. Unterricht auf einem Lehrer-Smartphone ist eben technisch nicht sehr ausgereift. Auch Lernvideos und -software waren eher selten im Einsatz, ergänzten den Live-Distanz-Unterricht aber so gut es ging.

Präsenz und Distanzlernen künftig besser verzahnen

Daran wird sich im Herbst nichts geändert haben, falls dann die Lernenden erneut zu Hause bleiben und dort unterrichtet werden müssen. Jetzt ist es an der Zeit, auf digitale Lernangebote zu setzen. Präsenz- und Distanzlernen muss besser verzahnt werden: Digitale Lehr- und Lernmöglichkeiten mit qualitätsgesicherten didaktischen Konzepten und Materialien, Lernplattformen, das Einüben von Lernstrategien sowie eine gute kommunikative Begleitung sind dringend erforderlich. Für eine sinnvolle digitale Ausstattung sollten die Musikschulen ein koordiniertes, deutschlandweites Vorgehen anstreben. Es ist uneffektiv, jede Musikschule ihre eigene Lernplattform entwickelt.

Digitale Bildung: Sie ergänzt den Musikschulunterricht

Eine selbst zu programmierende Plattform wäre frühestens in einigen Monaten einsetzbar. Das nützt nichts für das Hier und Heute. Es galt also, sich umzuschauen nach real verfügbaren Alternativen.

 

Die schnelle Lösung liefern Open Source Software

Bis vor einigen Jahren war Open-Source-Software überwiegend kostenlose und gleichzeitig minderwertige Software. Das hat sich deutlich gewandelt. Immer mehr Lösungen stehen den kommerziellen Lösungen in nichts nach. Oftmals sind sie den kommerziellen angegliedert und profitieren von der Verbindung. Allerdings bietet Open Source Software viele Vorteile: Kosten, Datenschutz und Transparenz.

Die gibt es bereits – von kommerziellen Anbietern wie Samsung (»Neues Lernen«), Google (»G Suite for Education«) oder Microsoft (»DigitalPaket«). In solchen Paketen steckt ein Tablet samt Stift, ergänzt um digitale Lehr- und Lernmaterialien, Trainings für Lehrkräfte, Service- und Supportleistungen – und nicht zuletzt verschiedene Finanzierungsmodelle.

 

Fördergelder könnten in den Städten bereit stehen.

Das Geld für solche Lösungen ist in den Städten vorhanden – oder könnte es zumindest sein. Die Bundesregierung hat im Mai 2019 »den flächendeckenden Aufbau einer zeitgemäßen digitalen Bildungs-Infrastruktur unter dem Primat der Pädagogik« beschlossen und dafür im »DigitalPakt Schule« fünf Milliarden Euro an Fördergeldern bereitgestellt.

Diese Fördergelder müssten auch für Musikschulen gewährt werden. Noch ist es nicht soweit. Aber es ist zu hoffen, dass sie bald auch für Musikschulen eingesetzt werden.

Eine Hürde ist technischer Natur: Auf welches Betriebssystem einigen wir uns? Die meisten der kommerziellen Anbieter setzen auf Android. Im Konsortium »Open Handset Alliance« arbeiten mehr als 80 Unternehmen daran, offene Standards für mobile Endgeräte zu schaffen. Android könne herstellerunabhängig auf verschiedenen mobilen Endgeräten in der Schule eingesetzt werden, argumentieren sie, und erzeuge keine Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern.

Andererseits ist zu beachten, dass die eingesetzten Geräte auch für Musik fit sein müssen – gerade für Musik. Und diese ist am besten bei den Betriebssystemen IOS und OSX aufgehoben. In unzähligen Veröffentlichungen ist dieser Umstand ausführlich beschrieben. Daher hat bei Musikschulen die Fa. Apple mit ihren iPads und Betriebssystemen die Nase vorn.

Die Beschaffung der Geräte ist das eine – diese Investition ist zu schaffen. Die Installation und permanente Wartung ist der Aufwand, den die Musikschulen, gleich der Schulen, nur mit erhöhtem personellen Aufwand bewältigen können.

 

Digitale musikalische Bildung

Bei den Lehrenden gibt es ein Missverständnis. Nicht nur das Vermitteln von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen ist ihre Aufgabe, sondern darüber hinaus auch die Methoden des Lernens. Und diese Methoden beschränken sich nicht auf Vormachen – Nachmachen und „das nächste Stück in der Instrumentalschule“. Dazu gehört heute auch die digitale musikalische Bildung: Kindern heute die digitalen Kompetenzen im Umgang mit Musik zu vermitteln.

Die Musikschule muss Fähigkeiten vermitteln, die es den Lernenden erlauben, sich später – privat und in ihren Berufen – kompetent in digitalen musikalischen Kontexten zu bewegen. Der reflektierte und kreative Umgang mit digitalen Medien ist eine Schlüsselkompetenz, um sich souverän in der Welt von heute und morgen zu bewegen. Eben deshalb darf die Musikschule kein Reservat des Gestrigen bleiben – auch wenn die Sorge um die Musiktradition einen großen Kernbereich der Musikschulaufgabe ist und bleibt..

»Für eine sinnvolle digitale musikalische Bildung fehlt noch ein stimmiges Konzept« – weit über die Frage von vorhandenen Endgeräte und Breitbandanschlüssen hinaus geht es dabei um geeignete Plattformen und Lernkonzepte.

 

Das Aufgabenpaket für die Digitalisierung an den Musikschulen.

  • Schnelle Einbindung in bestehende Strukturen
  • Bereitstellung flexibler Kommunikation- und Lernplattformen
  • Drahtloser Installation und Konfiguration der Endgeräte
  • Einfache Verwaltung und Administration der Tablets
  • Schutz vor Angriffen von außen
  • Erfüllung zentraler DSGVO-Anforderungen
  • Schneller Einstieg für Lehrkräfte durch technische und didaktische Schulung
  • Umsetzung hybrider Unterrichtskonzepte
  • Günstige Datentarife für schnellen Internetzugang

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